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Fans' Embassy at EURO 2000

Hintergrund

Die Wurzeln des Fanbotschaftskonzepts liegen bei den Angeboten für englische und deutsche Fans während der WM 1990 in Italien. Im Laufe der Zeit und mit den folgenden Turnieren hat sich das Konzept zu dem entwickelt, was es heute ist. Präventive und soziale Maßnahmen sowie die strukturelle Unterstützung für reisende Fans sind die Hauptsäulen des Fanbotschaftskonzepts.

Es hat sich herausgestellt, dass diese zusätzlichen Maßnahmen eine wertvolle und bedeutende Rolle in den Sicherheitskonzepten bei Fußball-Großveranstaltungen in den letzten 20 Jahren spielten. Dennoch galten Polizei-Einsätze und repressive Regulierungsmaßnahmen eine lange Zeit als einzige Möglichkeiten mit Fans in den meisten europäischen Ländern und bei Turnieren umzugehen. Ein Umdenkprozess hat vor allem nach den heftigen Ausschreitungen in den 80er Jahren begonnen. Diese Entwicklung führte zu einer weiter gefassten und differenzierteren Neubewertung von (Fehl-)Verhalten unter Zuschauern aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Europarat hat dies in seiner Empfehlung zur Prävention von Gewalt im Sport (Recommendation No. 1/2003) wie folgt niedergeschrieben:

„...diese Gewalt ist Teil eines weiter gefassten sozialen Phänomens, das sich negativ auf gesetzestreue Fans und lokale Bewohner auswirkt, so dass eine ganzheitlicher Ansatz nötig ist, um hier entscheidend entgegenzuwirken.“

Geschichte

Mit dieser Entwicklung haben sich in mehreren europäischen Ländern Konzepte pro-aktiver und sozio-präventiver Fanarbeit etabliert, vor allem in England und in Deutschland.

Das englische Modell – von Fans, für Fans

In England, startete das Fanbotschaftsmodell als Lobbying und Self-Empowerment Initiative von der Football Supporters Association (jetzt bekannt unter dem Namen Football Supporters Federation – FSF), einer unabhängigen, demokratischen Fanorganisation auf Mitgliederbasis. Das englische Fanbotschafts-Service genießt unter den englischen Fans einen hervorragenden Ruf für seine Zuverlässigkeit und Beständigkeit und auch weil es ein Sevice-Angebot von Fans für Fans ist. Somit bekommen die Fans das Gefühl, dass das Angebot auf „ihrer Seite“ ist. Die FSF organisert bei jedem Spiel der englischen Nationalmannschaft Fanbotschaften, um eine gewisse Beständigkeit zu gewährleisten und auch als vertrauensbildende Maßnahme zu dne Supportern. Die FSF produziert auch die Fanzine „Free lions“ bei jedem Spiel.

Das deutsche Modell – professionelle Fanarbeit

Ähnlich dem englischen wird auch das deutsche Service von Fanarbeitern, die den Fans bekannt sind und denen sie vertrauen, angeboten. Im Gegensatz zu England leiten in Deutschland aber ausgebildete Sozialarbeiter, meistens von den lokalen Fanprojekten, die Fanbotschaften. Seit 1990 begleiten professionelle Fanarbeiter die deutschen Nationalteam-Anhänger und Fanklubs bei Fußball-Großveranstaltungen. Die deutschen Fanbotschaften werden von KOS, der Koordinationsstelle für knapp 50 deutsche Fan-Projekte, organisiert.

Das Resultat? Ein gemeinsamer Ansatz

Trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte in beiden Ländern ist es sehr interessant und wichtig festzuhalten, dass die Fanbotschaftskonzepte beider Initiative, eine praktisch idente Entwicklung durchliefen und überaus ähnliche Arbeitspraktiken entwickelten. Diese Gemeinsamkeiten was die Erfahrungen und die Methodik, der beiden ältesten und erfolgreichsten Initiativen, betrifft, lassen uns mit einiger Gewissheit von einem auf Herz und Nieren geprüften „Best-Practice-Modell“ sprechen.

Von FSI zu FSE

Um eine stetige Entwicklung der Fanbotschaften zu gewährleisten und ein Netzwerk auf- und auszubauen, wurde von den bestehenden Fansbotschafts-Organisationen, das Netzwerk Football Supporters International (FSI) ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder von FSI sind die englische FSF, die deutsche KOS und Initiativen aus Italien und den Niederlanden. FSI wurde später offiziell beauftragt und finanziert Fanbotschaften während der UEFA EURO 2004 in Portugal durchzuführen.

Bei der Weltmeisterschaft 2006 reiste eine noch größere Anzahl an internationalen FSI Fans’ Embassy Teams an, um die Fans zu unterstützen und operierte Seite an Seite mit den neu eingeführten stationären Fanbotschaften. Die EURO 2008 bot dem Netzwerk die Gelegenheit seine Arbeit weiter zu entwickeln, die Zahl der mobilen Teams zu steigern und das Programm offiziell und mit der nötigen finanziellen Unterstützung der UEFA rechtzeitig starten zu können. FSI-Mitglieder haben dabei geholfen, den Ansatz und das Konzept ständig zu professionalisieren und neue Fanbotschaftsinitiativen in ganz Europa auf die Beine zu helfen.

Im Jahre 2008, beschlossen die damaligen Mitglieder der Kerngruppe von FSI, dass es an der Zeit war, die Ziele des Netzwerks neu zu definieren: es galt endlich eine repräsentative Stimme für alle Fans in Europa ins Leben zu rufen. Aus FSI wurde FSE und auch die Struktur des Netzwerks hat sich geändert: FSE ist heute ein demokratisches Netzwerk von Fangruppen und Organisationen aus ganz Europa, das unterschiedlichste fanrelevante Themen auf seiner Agenda hat.

Die Fanbotschaften, die immer noch eines der wichtigsten Arbeitsfelder von FSE sind, wurden zu einem Fachbereich innerhalb FSEs, aber unabhängig in der Finanzierung und der täglichen Arbeit mit Mitgliedern in 16 Ländern: Österreich, Kroatien, Tschechische Republik, England, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Russland, Schottland, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, Ukraine und Wales.